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Der Start in Norwegen - Vom Nordkap bis nach Kautokeino

  • Autorenbild: leonieschmittinger
    leonieschmittinger
  • 24. Aug. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Aug. 2023

Nach der Fährfahrt von Frederikshavn nach Oslo kam ich endlich in Norwegen an und verbrachte noch einen halben Tag in der Hauptstadt, bevor mein Flug nach Alta in den hohen Norden ging.


Ich kam spät abends an und wollte ursprünglich morgens direkt den ersten Bus ans Nordkap nehmen.


Was ich nicht wusste, war, dass der Flughafen nachts geschlossen wird und ich raus musste. So verbrachte ich die erste Nacht in meinem Schlafsack auf einer Bank vor der Tür, was aber tatsächlich ganz erträglich war. Die Nächte darauf im Zelt sollten aber erholsamer werden.


Jedoch kam meine Gaskartusche, die ich bereits zuvor online bestellt hatte, erst am folgenden Vormittag an, so dass ich den einzigen Bus des Tages verpasste, schließlich aber per Anhalter ebenso ans Ziel kam.


Eine Reisende nahm mich die gesamte Strecke von über 300 km mit und wir unterhielten uns die ganze Fahrt über.


Am Nordkap angekommen hatte das Wetter etwas zugezogen und die Sicht war recht eingeschränkt. Außerdem ging ein eiskalter Wind, welcher einem innerhalb kürzester Zeit jegliche Körperwärme entzog. Nach ein paar Fotos machte ich mich schnell auf den Weg, um dem Wind zu entkommen. Schon am Abend desselben Tages wurde es deutlich besser.



Mein erstes Nachtlager schlug ich kurz vor dem Nordkaptunnel auf. Ich musste mich noch eine Weile an die Tatsache gewöhnen, dass es nachts nicht dunkel wurde. Die ersten beiden Tage war noch Polartag, an welchem die Sonne gar nicht unterging.


Früh morgens am darauffolgenden Tag passierte ich dann den Nordkaptunnel. Der etwa 6 km lange Tunnel führt unter dem Meer durch und ist die einzige Verbindungsstelle zum Festland. Während das Laufen im Tunnel gar nicht so schlimm war, da es immerhin einen Bürgersteig gab, war der Autolärm sehr herausfordernd. Wenn auch nicht viel Verkehr war, so kündigte sich jedes Fahrzeug schon eine ganze Weile vorher an und brauste dann immer lauter werdend an mir vorbei. Besonders Busse waren so ohrenbetäubend laut, dass man meinen konnte, es starte ein Düsenjet.


Anschließend führte der Weg direkt in die wilde Natur und ab hier wurden die Markierungen, auf die man nun angewiesen war, rar, die Wege sumpfig und das Terrain deutlich schwerer begehbar. Ich merkte sehr schnell, dass mein Tempo hier ein völlig anderes sein würde, als in den letzten Wochen und ich daher auch das Essen gut einteilen müsste.


Die Landschaft kurz nach dem Tunnel


Doch die Landschaft machte all das wieder wett, indem sie mit wunderschönen Panoramen und Farben glänzte.


Der nächste Tag startete mit einem etwa zweistündigen Part über eine sehr windige und ausgesetzte Hügelkette. Ich fror durchweg und hoffte bei jeder Erhöhung, dass es nun bergab gehe, was es aber leider sehr lange nicht tat. Auch meine Akkus mochten den kalten Wind nicht gerne und so waren Kamera und GoPro morgens innerhalb ein paar Minuten komplett leer. Mein Handy war zum Glück verschont geblieben.

Im Verlauf des Tages kam dann die Sonne heraus und es wurde schnell warm.


Ich traf insgesamt sehr wenig Wanderer auf der Strecke, an einem Tag gar niemanden.


Schon ein paar Tage bevor ich Masi erreichte, den ersten Ort, der einen kleinen Supermarkt besaß, wurde die Vorfreude auf diesen immer größer.


An einem Tag verlief ich mich fast eine Stunde im Sumpf, da keine Markierungen mehr zu sehen waren und die Zeichnung der Wege auf den Karten nicht mit den tatsächlichen Wegen übereinstimmte. So lief ich also querfeldein nach Kompass in der Hoffnung, dass ich den Weg irgendwann wieder kreuzen würde. Anstattdessen sah ich jedoch nach einer ganzen Weile auf einer Anhöhe einen Zaun und vermutete von Weitem Markierungen dort. Auf gut Glück lief ich in diese Richtung und fand dann doch auch tatsächlich den Weg wieder.


Nasse Füße sind an der Tagesordnung


Etwa zwei Tage bevor ich Masi erreichte, begann eine Mückenplage, die mich vorwärts trieb. Denn bei jedem Anhalten stürzten sich Hunderte Moskitos auf mich.


Und schließlich, nach sieben Tagen, kam ich endlich zum ersten Supermarkt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und plötzlich wird alles andere unwichtig. Alles, was zählt sind Shelter, Wärme, Gesundheit, Wasser und Essen. Alles andere ist auf einmal Luxus und man freut sich wie ein kleines Kind über Dinge wie ein trockenes Zelt am Morgen, Sonnenstrahlen, eine warme Dusche oder frisch gewaschene Kleidung.


Überglücklich stattete ich mich für die kommenden zwei Tage, die ich noch bis Kautokeino benötigen würde, aus und fand sogar noch eine Steckdose, um meine Powerbank ein wenig zu laden.


Morgens lag dann so ein dichter Nebel auf der Anhöhe, dass ich kaum die Markierungen sehen konnte und beinahe den Weg verloren hätte. Nach etwa zwei Stunden lichtete sich dieser jedoch und die Sonne kam heraus. Nachmittags folgte ich dann aus Versehen einem falschen Weg und ging etwa 5 km in die falsche Richtung auf einen Berg, der aber auch sehr schön war und eine wunderbare Aussicht bot und so war der Umweg dann nicht ganz so schlimm.


Nachtlager kurz vor Kautokeino


Und am Morgen darauf erreichte ich auch schon Kautokeino und plünderte zunächst einmal den Supermarkt, bevor ich auf dem Campingplatz aufkreuzte, wo der etwas verdutzte Besitzer mich dann doch schon einließ, obwohl es erst zehn Uhr morgens war.


Während ich dann bei Dauerregen so ziemlich den ganzen Tag im Zelt lag und entspannte, plante ich die Etappen für die kommende Zeit. Denn mal eben so einkaufen sollte es die nächsten Wochen nicht mehr geben.

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