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Der Kungsleden - Von Abisko bis Hemavan

  • Autorenbild: leonieschmittinger
    leonieschmittinger
  • 28. Sept. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt. 2023

Nach einer erholsamen Nacht im Hostel in Abisko startete ich direkt am nächsten Morgen auf dem Kungsleden. In der Unterkunft hatte ich noch einen Deutschen getroffen, der mich die ersten anderthalb Tage begleitete.


Das erste Stück waren viele Touristen auf dem Weg, die nur eine Tagestour unternahmen. Schnell wurden es aber weniger Menschen - zumindest bis ich ab dem zweiten Tag fast alle 1.500 Teilnehmer des Fjällräven Classic Events traf. Diese wanderten von Nikkaluokta nach Abisko und daher überschnitt sich unsere Route zu einem nicht unmerklichen Teil.


Landschaftlich war allein der erste Tag schon unglaublich schön und vielfältig und auch die kommenden Tage veränderte sich die Landschaft hinter jeder Erhebung.


Zeltplatz am ersten Abend


Am dritten Tag erreichte ich schließlich morgens die Abzweigung, an der die Event-Teilnehmer einen anderen Weg einschlugen und der Wanderweg wurde schlagartig wieder leer. Ab und zu traf ich nun vereinzelt Wanderer, an den Hütten etwas mehr.


Der Kungsleden beinhaltet sieben Bootsüberfahrten, die etwas eingeplant werden sollten. Gleich bei der ersten Stelle über einen See gab es jedoch die Option auch ein Ruderboot zu nehmen und nicht eines der Motorboote, die meist feste Abfahrtszeiten haben.


Ohne wirklich Rudererfahrung zu haben, hatte ich richtig Lust, dies auszuprobieren und die Strecke war auch nicht ganz so weit. Zum Glück kamen jedoch kurz bevor ich loswollte noch zwei Schwedinnen dazu und so setzten wir zu dritt über. Da ich auf dem Wasser dann feststellte, dass es ein bisschen Übung brauchte und meine Arme auch grundsätzlich eher keine Muskeln haben, war ich dann froh nicht allein zu sein und zu dritt konnten wir uns abwechseln und kamen so sicher auf der anderen Seite an.

Anschließend ging ich noch etwa zehn Kilometer weiter und schlug dann mein Nachtlager auf.


Die erste Ruderstelle


Bei Sonnenschein baute ich am kommenden Morgen mein Zelt ab und lief nur noch ein paar Kilometer zur nächsten Hütte, die an einer Straße lag. Anscheinend wird der Kungsleden hier unterbrochen und es fahren Busse bis zum nächsten Boot, das etwa 25 km entfernt ist. Da ich das aber weder wusste, noch Busfahren wollte, lief ich das Stück zu Fuß und war dann gleichzeitig mit einigen anderen, die ich Vortags schon getroffen hatte, am Boot.

Nach der Bootsüberfahrt ging ich dann noch ein bisschen weiter und stellte nach soliden 49 km mein Zelt auf.


Der darauffolgende Tag fing im Nieselregen an. Ich baute alles nass ab und lief die letzten Kilometer bis zur Bootsanlegestelle, da das Motorboot nur einmal morgens und einmal abends fuhr. Als ich jedoch ankam, erfuhr ich, dass das morgendliche Boot eine Stunde früher ablegte, als ich dachte (Am Vortag hatte ich ein paar Wanderer gefragt). Ausnahmsweise durfte ich mich jedoch im Holzschuppen der nahegelegenen Hütte vor dem Regen schützen und musste dann sechs Stunden auf das nächste Boot warten - immerhin gab es an diesem Nachmittag eine Extrafahrt.


Doch durch das Warten und den halben Tag, den ich mit Herumsitzen verbrachte, war ich ziemlich genervt und lief schließlich auf der anderen Seite schnell weiter, um dort nach einer nicht ganz so langen Strecke noch das Boot am Abend zu erreichen.


Spätestens danach war mir die Lust auf die Bootsüberfahrten etwas vergangen und ich wartete schon sehnsüchtig auf die letzte Überfahrt, um wieder in meinen eigenen Rhythmus ohne Hektik zu finden. Bei kürzeren Tagesetappen ist das Einplanen der Boote nämlich deutlich einfacher. Aber es waren auch ein paar andere Wanderer schnell davon genervt.


Trotz einigem Matsch und Sumpf konnte mir niemand die gute Laune vertreiben, da die Sonne schien und an diesem Tag ein Stück vor Jäckvik kein Boot anstand.


Blick zurück - Der Aufstieg hat sich gelohnt


Abends merkte ich plötzlich, nachdem ich Wasser aufgefüllt hatte, dass mein Rucksack unten nass war und stellte fest, dass die Wasserblase nicht mehr dicht war. Zum Glück ist aber mein Schlafsack trocken geblieben!


Um die Restsonne des Tages noch etwas zu nutzen, versuchte ich die letzten Strahlen des Tages im Wald einzufangen und hängte meine Ausrüstung zum Trocknen über Zweige, während ich das Zelt aufbaute.


Am kommenden Morgen wartete noch eine Überfahrt auf mich und kurz vor Jäckvik dann noch eine Stelle, an der es nur Ruderboote gab. Im Gegensatz zu den Motorbooten hatte ich daran aber richtig Spaß, auch wenn meine Arme schnell müde wurden, aber ohne Strömung hatte ich keinen Druck und konnte mir Zeit lassen.


Und schließlich kam ich nach acht Tagen im ersten Ort mit Supermarkt an. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich, man möchte alles auf einmal kaufen und probieren und ist gleichzeitig mit den vielen Menschen und der Auswahl komplett überfordert.

Daher dauern Einkäufe bei mir selten unter einer Stunde!


Der Kungsleden führte weiter über Adolfström nach Ammarnäs, wobei ich in letzteren Ort an einem Regentag kam und dort im Supermarkt nur Schokolade kaufte und meine Powerbank laden wollte. Ich durfte sogar drinnen sitzen und der Verkäufer bot mir etwas später frisch gebackene Zimtschnecken an, die seine Mutter gerade vorbeigebracht hatte und die waren köstlich!


Irgendwann raffte ich mich dann zum Weitergehen auf - das Wetter würde heute sowieso nicht nicht mehr besser werden. Und so ging ich noch ein ganzes Stück den Berg hinauf, bevor ich einen schönen Platz zum Zelten in der Nähe einer Hütte fand.


Am letzten Tag ging es noch durch ein wunderschönes Tal, bevor ein letzter kleiner Anstieg folgte und es nach Hemavan bergab ging. An der letzten Hütte unterhielt ich mich kurz mit den Hüttenwärtern, ein Pärchen, die ganz begeistert von meiner Tour waren. Sie spielte mir noch etwas auf der Flöte vor, bevor ich mich auf die letzten Kilometer des Kungsleden begab.


Durch ein wolkenverhangenes Tal in Richtung Hemavan


So erreichte ich den Endpunkt nach zwölf Tagen und deckte mich erst einmal im Supermarkt ein, bevor ich mich in der dortigen Fjällstation, in diesem Fall einem Hotel, einquartierte beziehungsweise mein Zelt dort aufschlug und meine erste Dusche seit fast zwei Wochen genoss.

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