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Auf Abwegen des E1

  • Autorenbild: leonieschmittinger
    leonieschmittinger
  • 26. März 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Die letzten Wochen haben mich herausgefordert und belohnt - malerische Ausblicke, erneute Schmerzen im Bein, ein Krankenhausbesuch und ein Treffen mit meiner Schwester.


Es ging bisher fast nichts nach Plan. Der Weg fordert mich jeden Tag auf ein Neues heraus. Manche Tage regnet es durchweg, manche Wege sind zugewachsen mit abertausenden von Dornen oder anderweitig nicht begehbar.


Aber es belohnt auch und macht mir jede Menge Spaß! So genieße ich jeden Sonnenstrahl in vollen Zügen und wachse an jeder Herausforderung.


Die Schifffahrt von Messina nach Villa San Giovanni fühlte sich wie ein erster kleiner Meilenstein an. Auf dem Festland angekommen, entschied ich mich an der Küste entlangzulaufen, da mein überbelastetes Bein mit Bergen noch nicht so gut konnte. Zwar waren dies ausschließlich Straßen, die aber dafür mit wunderschönen Ausblicken belohnten und durch viele kleine Dörfer führten.

Blick auf Scilla in Kalabrien


Auch hatte ich ab und zu Glück und fand einen Campingplatz, der schon offen hatte.


Nach einiger Zeit wurde auch das Bein besser und ich spürte die zuvor schmerzende Stelle kaum noch.


An einem Tag schenkte mir ein älterer Mann so viele Orangen, dass mein Rucksack kurzzeitig sehr schwer wurde und ich diese schnell essen musste, um wieder weniger Gepäck zu haben.


Auf dem Weg in Richtung Maratea an der nördlichen Grenze Kalabriens war dann plötzlich die Straße gesperrt und ich musste umplanen. Ich entschied also direkt in Richtung Landesinnere zu gehen, um dann schon bald auf den offiziellen Pfad des E1 zu treffen, welcher nach Sizilien erst ab hier wieder weitergeht.


Noch am gleichen Tag spürte ich mein Bein wieder und hatte schließlich stärkere Schmerzen, so dass ich die nächstmögliche Unterkunft nahm und zum Glück auch ganz bald ein Hotel am Straßenrand fand.


Am Tag darauf kam ich wieder auf den E1 und folgte diesem bis nach Sanza. Dort wartete der erste "höhere" Berg auf mich.


Auch wenn 1.900 Höhenmeter eigentlich nicht wirklich eine problematische Höhe gewesen wären, so wurde ich schon beim Frühstück in einer Bar darauf aufmerksam gemacht, dass oben Schnee läge.


Mir war dies auch durchaus bewusst. Dennoch versuchte ich mein Glück mit der Besteigung des Monte Cervati. Ich hätte mich geärgert, hätte ich es nicht wenigstens versucht. Bei etwa 1.200 Höhenmetern lag die Schneegrenze an diesem Tag. Ich wusste, dass ich bis zum Abend die Hütte erreichen musste, da schlechtes Wetter für den kommenden Tag angekündigt wurde und dies ansonsten auch schnell mal gefährlich werden konnte.


Da der Schnee jedoch immer tiefer wurde und ich ein paar Mal bis zur Hüfte einsank, entschied ich mich für Plan B. Schon etwas zuvor hatte ich auf der Karte nach einer Alternativroute geschaut, die mich nicht ganz so hoch führen würde. Ich bog also ab, nachdem absehbar war, dass ich es nicht zur Hütte schaffen würde und bahnte meinen Weg aus den Bergen in den nächsten Ort heraus.


Schließlich kam ich völlig erschöpft, mit eingefrorenen Füßen und schon nach Sonnenuntergang in einem kleinen Ort an und fand auch glücklicherweise noch eine Unterkunft.


Kurz entschlossen ging ich nach diesem Abstecher in die Berge wieder zurück in Richtung Küste. Vom Schnee hatte ich erst einmal genug!


Zurück an der Küste angelangt, war es nicht mehr weit bis Salerno. Dort übernachtete ich bei Freunden, die ich in Catania im Hostel kennengelernt hatte.


Die anschließende Strecke an der Amalfiküste entlang war wunderschön! Die steile Felsküste mit den grünen Bergen und ihren kleinen Orten und Buchten von türkisblauem Meer ist nicht umsonst berühmt. Leider daher auch sehr überlaufen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dieses Fleckchen am Besten an einem Regentag in der Nebensaison und frühmorgens besucht werden sollte, um den Massen zu entgehen...


Da es jedoch noch keine Hauptsaison war, war es tatsächlich noch sehr entspannt.


In Positano angekommen, traf ich mich mit meiner Schwester, die in ihrem Urlaub von Neapel nach Salerno gelaufen ist. Es war das Hightlight meiner Woche!

Amalfiküste - In den Bergen vor Positano


Weiter ging ich nach Pompei und an Neapel vorbei, wobei ich mit dem Zug abends an einem Tag zum Übernachten in die Stadt fuhr.


Nach einem ständigen Auf und Ab ging es meinem überlasteten Bein endlich besser. Genau an diesem Tag etwa sieben Kilometer vor meinem Etappenziel, ich lief gerade an einer Straße entlang, hörte ich Hundegebell. An sich nichts außergewöhnliches, höre ich dies doch sehr, sehr häufig. Ich hatte schon immer ein flaues Gefühl bei Hunden. Solange diese mir jedoch nicht zu nahe kommen, kann ich noch recht gut damit umgehen.


An diesem Tag und Ort hörte jedoch nach einem verschlossenen Tor plötzlich der Zaun auf und ich versuchte schnellstmöglich die Straßenseite zu wechseln, um etwas Distanz zu schaffen. Bevor ich mich versah, jagten zwei Hunde, der eine ziemlich groß, auf mich zu. Ich lief zügig weiter und spürte plötzlich, dass der große Hund nach meinem Bein schnappte. Wie in einem Tunnel lief ich weiter und endlich entfernte sich das Gebell wieder. Ich lief weiter, bis ich nichts mehr hörte. Als ich jedoch an meinem Bein heruntersah, sah ich, dass es am unteren Oberschenkel blutete und der Hund mich mit den Zähnen wohl doch erwischt hatte. Noch in Schock hielt ich an, versorgte die Wunde schnellstmöglich und peilte die nächste Bahnstation an, um nach Neapel zu fahren.


Dort brachte ich meinen Rucksack in ein Hostel und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus. Glücklicherweise wurde ich sehr nett empfangen und gut betreut. Auch musste ich nicht lange warten. Der Arzt nähte die Wunde und gab mir Anweisungen, wie diese zu pflegen war.


Nach zwei Tagen Zwangspause, die ich im Bett verbrachte, da ich dann doch sehr starke Schmerzen beim Gehen und Stehen hatte, ging es endlich weiter.


Jeden Tag spürte ich die Wunde weniger und als ich auf der Höhe von Rom bei Tivoli ankam, konnte ich auch schon wieder bergauf und bergab gehen, was zu Anfang sehr schmerzhaft war.


Von Tivoli aus nahm ich den Zug in die Stadt, um ein bisschen in Rom umherzulaufen und dort schließlich auf einem Campingplatz zu übernachten.

Der Trevi Brunnen in Rom


Nach der Hauptstadt führte mich die schöne Via Francigena weiter in Richtung Norden. Hier begegnete ich auch immer wieder Pilgern, die auf dem Weg von Siena nach Rom waren.


Nach nun etwa 1.250 Kilometern bin ich kurz vor der Toskana und freue mich sehr auf den nächsten Abschnitt.


Nur auf die Hunde nicht...


1 Kommentar


Carin
Carin
27. März 2023

Fesselnd!!

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